Gemeinde St. Gerold
6722 St.Gerold

Tel. 05550/2134
gemeinde@st-gerold.at

Anfahrt

  
St. Gerold
St. Gerold liegt auf der Sonnenseite am Eingang des Großen Walsertales. Obwohl es eine der kleinsten Gemeinden des Landes ist, ist St. Gerold im In- und Ausland als Kulturoase des Oberlandes ein Begriff.
 
Der heilige Gerold lebte vor 1000 Jahren
Um die Mitte des 10. Jahrhunderts flüchtete ein politisch Verfolgter Namens Adam in das damals noch unbewohnte Friesental (alter Name für das Große Walsertal) und begann in der Einöde ein gottgefälliges Leben. Nachdem der Reumütige von Jägern entdeckt wurde, erfolgte seine Begnadigung. Er nannte sich nunmehr Gerold (=Waffenträger) und wurde von seinem ehemaligen Widersacher mit Gütern bedacht. Vor seinem Tode schenkte er seinen gesamten Besitz dem Kloster Einsiedeln. Gerold starb am 19. April 978 im Rufe der Heiligkeit und wurde an seinem Wirkungsort bestattet. Über seinem Grabe bauten Benediktinermönche aus Einsiedeln um die Jahrtausendwende ein kleines Kloster. Später erhielt dieser Ort den Namen St. Gerold.

Politischer Aufstieg und Untergang der Propstei St. Gerold

Im späten Mittelalter war die Propstei St. Gerold ein sog. Dinghof. Rätoromanische Bauern wurden gezielt angesiedelt und standen als leibeigene Gotteshausleute unter der Schirmherrschaft der Propstei. Um 1350 gesellten sich einwandernde Walser dazu und verdrängten allmählich die Rätoromanischen Erstsiedler. Die Landesherren waren die Grafen von Blumenegg, welche auch das Patronat über das Kloster inne hatten.
Am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 erfolgte eine grundlegende Veränderung: St. Gerold erweiterte sein Territorium und wurde Reichspropstei, d.h., selbständig mit eigenem Gericht. Es umfasste die heutigen Gemeinden Blons und St. Gerold. Diese Blütezeit dauerte jedoch nicht lange. Napoleon setzte dem Höhenflug durch die Enteignung 1802 ein jähes Ende. St. Gerold verlor seine politische Bedeutung. Das enteignete Gebiet wurde einem holländischen Fürsten verschachert, kam dann 1804 an Österreich, aber schon 1805 an die Bayern. Diese lösten die Gerichte auf. Aus der Reichspropstei St. Gerold wurden die politischen Gemeinden St. Gerold und Blons. 1814 kam St. Gerold endgültig an Österreich. 1839 kaufte Einsiedeln wieder Teile ihres ehemaligen Besitzes zurück.
 
Ein neuer Beginn
Die beiden Weltkriege setzten der Propstei arg zu. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Schweizer Patres des Landes verwiesen. Und nur dem klugen Handeln eines Verwalters aus dem Kloster Mehrerau war es zu verdanken, dass der Propstei durch die Nationalsozialisten nichts Schlimmeres widerfuhr. Einsiedeln dachte an die Auflassung seines Österreichischen Besitzes. Und da kam im Jahre 1958 die Rettung in der Person eines jungen, rührigen Propstes. Pater Nathanael Wirth gelang es mit größter Energie, aus den bröckelnden Klostermauern ein geistiges Zentrum zu schaffen, das beispiellos dasteht. Konzerte, Seminare, Ausstellungen und Kurse bringen Gäste aus aller Welt nach St. Gerold. Sie suchen und finden an diesem schönen Ort Ruhe, Einkehr und religiöse Zuflucht.
 

Die Gemeinde St. Gerold
St. Gerold zählt ca. 380 Einwohner. Von der Landwirtschaft leben 12 Familien im Vollerwerb und ebenso viele im Nebenerwerb. Der Großteil verdient den Lebensunterhalt als Pendler, weil kaum Gewerbebetriebe im Ort sind. Zwei Gastbetriebe und die Propstei sorgen für einen „sanften Tourismus“.
An Infrastruktureinrichtungen sind vorhanden: Volksschule, Kindergarten, Bücherei, Sportplatz, sowie das Geroldshus mit Gemeindesaal, verschiedenen Nebenräumen und Einrichtungen für die Feuerwehr. Die Nahversorgung wird durch das „Dorflädele“ abgedeckt, das allerdings nur zwei Stunden pro Tag offen hält. Zahlreiche Vereine bestimmen das Dorfgeschehen: Feuerwehr, Harmoniemusik, Sportverein, Hörnerclub, Faschingsgilde, Seniorenbund, Frauenbund und Viehzuchtverein.
 
Zukunftspläne
In den letzten Jahren wurde in St. Gerold sehr viel gebaut. Aber St. Gerold ist irgendwie ein Straßendorf ohne Dorfkern geblieben. Für ein lebendiges Dorfleben ist dies nicht ideal. Dem soll entgegengesteuert werden. Ein Gemeindezentrum soll demnächst entstehen. Dann können die Menschen näher zusammenrücken, und St. Gerold wird dadurch ein noch begehrenswerterer Wohnort werden.

 Gernot Ganahl

 

 Print